Posts

Posts mit dem Label "wagner" werden angezeigt.

Der Soundtrack zum Holocaust? Wagner in Israel

Bild
„Wagner war Antisemit. Deswegen mag ich ihn nicht“ steht als Eintragung im Gästebuch des Lohengrin-Hauses in Graupa. Offensichtlich war der Verfasser im Rahmen eines Schulausfluges durch das Museumshaus geschleift worden, und auch wenn die hinterlassene Bemerkung den Betreibern der Gedenkstätte vermutlich nicht zur Anregung dient, irgendetwas besser oder ansprechender zu gestalten, sondern für sich genommen schon wieder ein zeitgeschichtliches Dokument darstellt (nämlich eine schriftliche Hinterlassenschaft der Generation Meinungsfreiheit-auch-wenn-sie-keinen-interessiert), war sie doch eine der wenigen sinnvollen Eintragungen inmitten einer Wolke aus „Ich war hier“ , „Hetti ist doof“, „Lola for ever“ sowie den unvermeidlichen Würmchen und Ottifanten. Nur mal so am Rande: Hat eigentlich schon jemals jemand einen Eintrag gelesen, der aus den Worten „ich war nicht hier“ bestand? Es gäbe ja immerhin die Möglichkeit, jemandem, der tatsächlich zu den Besuchern zählt, seinen vorgeschr...

Besingen auf eigene Gefahr - Bühnenunfälle bei Wagner-Opern

Bild
„Bühnenunfälle!“ erklärte der Herr Verratichnicht auf die Frage, worüber man denn im Bezug auf Richard Wagner noch so alles bloggen könnte und seine Augen begannen zu leuchten. „Menschen, die von geworfenen Speeren durchbohrt oder von zuschnappenden Drachenmäulern verletzt werden. Walküren, die vom Pferd fallen oder Brünnhilde, die sich in Siegfrieds Scheiterhaufen stürzt, samt Pferd! Was man sich dabei alles brechen kann!“ Nanu? Was hatte ich denn da für ein Thema angeschnitten? War das wirklich derselbe Mann, mit dem ich die Gräber von den Nazis verfolgter Juden besucht hatte und der so oft mit nachdenklichem Gesichtsausdruck dasaß und in die Ferne starrte? Gingen ihm dabei vielleicht Gedanken durch den Kopf, die ich mir so niemals ausgemalt hätte und vor denen ich mich fürchten sollte? Aber ich musste zugeben, die Sache mit den Unfällen klang durchaus interessant. Wenn man sich so manche Bühnenkonstruktion genauer betrachtet, ist es ein Wunder, dass nicht viel...

Siegfried Wagners Opern - ist an allem Hütchen schuld?

Bild
Siegfried Wagner -nein, das ist nicht der Typ, der das Schwert aus dem Stein gezogen und den Drachen filetiert hat. Der Typ, dessen Schwert im Stein steckte, war König Artus von Britannien und das Schwert hieß Excalibur. Der Typ mit dem Drachen hieß zwar tatsächlich Siegfried und das Schwert war genau so eine Wundewaffe wie sein britischer Cousin, es nannte sich allerdings Notung und steckte nicht in einem jungen Felsen, sondern in einem ausgewachsenen Baum und herausgezogen hat es Siegfrieds Papa Siegmund, der gleichzeitig sein Onkel war (ja, ich weiß, das ist so eine Geschichte für sich). Jedenfalls handelt es sich bei diesem Siegfried um eine reine Sagengestalt. Siegfried Wagners Papa hingegen hieß nicht Siegmund und hatte auch keine Lust, seine Schwester zu schwängern können (obwohl es durchaus Forscher gibt, die auch diese Möglichkeit durchleuchten), sondern war der Komponist Richard Wagner, und das wiederum ist nun ein Typ, dessen Opern, im Gegensatz zu denen, die Siegfried ...

Auf diese Steine können Sie bauen! Wie man allen Widrigkeiten zum Trotz doch noch zu einem eigenen Theater kommt

Bild
Auf diese Steine können Sie bauen! Wie man allen Widrigkeiten zum Trotz doch noch zu einem eigenen Theater kommt Über den Architekten Gottfried Semper wird zuweilen behauptet, er habe sich erst an der bürgerlich-demokratischen Revolution in Sachsen beteiligt, als ihn die äußeren Umstände in Form seiner demokratisch gesinnten Freunde dazu zwangen und sei somit quasi schuldlos „entsachst“, also aus dem Freistaat verbannt und zum Staatsfeind erklärt worden. Dass die Tatsachen etwas anders liegen beweist unter anderem eine Schrift Richard Wagners, in der er erklärt, Semper sei bereits vor Ausbruch der Kämpfe Mitglied einer Gruppierung gewesen, deren „entschiedenen demokratischen Geist“ er teilte. Geteilt haben die beiden außer einem demokratischen Kampfgeist auch die Tatsache, dass sie in ihrer Heimat nicht länger erwünscht waren und sich eine neue Wirkungsstätte suchen mussten. Dass sie knapp zwanzig Jahre später in Bayern beinahe zusammenarbeiten würden, dass diese Id...

Echtes deutsches Operngut? Oder: Erst denken, dann fordern.

Bild
Vor nicht allzu langer Zeit flatterte mir das Ergebnis einer Umfrage ins Haus, die sich auf den Musikgeschmack und die Rezeptionsgewohnheiten in Deutschland bezog. Ausgewählt wurden unter anderem die zehn beliebtesten Opern, die mich dann doch ein Stück weit zum Nachdenken anregten: Wenn das sie Stücke waren, die den Opernhäusern ein annähernd gefülltes Haus garantierten, dann konnte die AfD einpacken mit ihrer, was die Kunstfreiheit betrifft, ohnehin recht fragwürdigen Idee, die Werte des Volkes zu sichern, indem verstärkt Stücke deutscher Komponisten gespielt werden sollten. Es ist nämlich nicht so, dass es davon in besagter Liste von deutschen, bzw. deutschsprachigen Opern nur so gewimmelt hätte: Ein einziges deutsches Werk befand sich unter den genannten: Die allseits beliebte und bekannte Zauberflöte nämlich. Die könnte man nun also quasi als Standardmusikwerk in jedem deutschen Opernhaus auf die Bühne bringen, nicht wahr? Oder nicht? Was sagen denn unsere ach so besorgt...

Wenn Strauss, dann Vogel. Wenn Wagner, dann Friedelind

Bild
„Huch? Was ist denn mit dem Froeken los?“ werden einige Leser denken, „Hat ihr der Herr Sagichnicht so zugesetzt? Hat sie ihre Wut auf den Ikeamann eingeholt? Hat sie zuviele Fragwürdigkeiten aus dem AfD-Programm unter die Nase bekommen? Oder weshalb hat sie sich in der letzten Zeit ihr blauen Strümpfe angezogen und ihren Jeanne D'Arc Harnisch umgeschnallt?“ Neulich erst, im Post zur Musiksoziologie, war die Frage nach den musizierenden Frauen aufgekommen, in „Il Ballo delle Ingrate“ wird fleißig Suzanne Cusick zitiert, parallel zu diesem Blogpost suche ich nach Material zum Thema „was ist eigentlich ein Klavier“, was ebenfalls nicht ohne die typisch weibliche Rolle der ausführenden Musikerin mit Spiegel über dem Schminktischpiano auskommt, und nun hole ich Winifred Wagners Enfant Terrible, das schwarze Schaf unter ihren Kindern hervor? Friedelind, die sich als einziges Mitglied der Wagnerfamilie öffentlich gegen das Naziregime stellte, das sich von Hitlers langem Arm entfer...