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Rock me, Johann Sebastian - braucht man Bach, um Pop zu machen?

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Es geschah während eines Blockseminars an einem Wochenende: Eine Teilnehmerin, die selbst in der Popbranche tätig ist, und ich gerieten mitsamt Dozenten (die arme Socke, der hatte es sicher nicht leicht mit uns) in eine Diskussion über die Frage, ob man Musiker wie Bach getrost in die Tonne kloppen kann, wenn man nur vorhat, sich mit Popularmusik zu beschäftigen, oder ob der Herr B. Auch in diesem Fachbereich die Grundlage für alles ist. Meine Einstellung zu diesem Thema dürfte der geneigten Leserschaft mittlerweile ja hinlänglich bekannt sein: Meiner Meinung nach kann man vermutlich nicht einmal vernünftig husten oder schnarchen, wenn man die Grundlage, also den Johann Sebastian, nicht verinnerlicht hat. Meine Gesprächspartnerin sah das Ganze etwas anders und der Herr Analyselektor (Amboss, der Analysator...für alle die, die die Ottofilme noch kennen) saß zwischendrin, lauschte unserer „Argumentation“ („Ohne Bach und Werckmeister hättet ihr nicht mal alle Tonart...

tot oder unlebendig - Reger, Bach und Emerson

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Bei all den Dramen um die großartigen Musiker, die in diesem Jahr schon ihr Stimmgerät abgegeben haben (Otis Clay, David Bowie, Glen Frey, Black, Pierre Boulez, Keith Emerson, Nikolaus Harnoncourt, um nur einige zu nennen, und das, obwohl das Jahr erst 3 Mon at e abgefeiert.hat.. ich bin versucht, Leonard Cohen, Helmut Lachenmann und, da die Sterberitis derzeit ja auch jüngere Jahrgänge umfasst, Sol Gabetta, Leibwächter mit Knoblauch und Kreuzen an die Seite zu stellen), da vergisst man doch allzuleicht, dass es auch ein paar freudige Ereignisse zu feiern gibt. In den letzten Jahren waren es gleich mehrere Bachs, die ihre Ehrentage begingen und der Reihe nach die 300er-Schallmauer durchbrachen, zuletzt Johann Sebastian selbst, der im letzten Jahr denn 330. feierte. So richtig krachen lassen wird es der Herr Bach vermutlich erst bei seinem 333. und, da es sich um eine Schnapszahl handelt und der liebe JoSe diesem Getränk ohnehin nicht abgeneigt war (von seinem Ältesten ...

Ein Klavier, ein Klavier!

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  “ Was ist das?“ fragte mein Musiklehrer in der 6. Klasse ( ja genau der Kerl mit den Schrumpfkopfnotenund den durchstochenen Augäpfeln bei der Bachbiographie ) und hämmerte in die Tasten, dass die Noten nur so stoben. Ich habe nicht die geringste Ahnung, was er damals gespielt hat, vermutlich hatte die gesamte Klasse keinen Schimmer von der ganzen Sache, aber eines hatten wir: Das, was die meisten pubertierenden Zwerge haben:Chuzpe. „Ein Klavier“ rief M. Und hatte damals erst mal die Lacher auf seiner Seite, was der Herr K. Natürlich nicht zulassen konnte. „Nein!“ konterte er bestimmt. „Das ist ein Flügel!“ Und nun? Wer hatte nun recht? Irgendwie ja alle beide, obwohl sie einander in dieser Sache widersprachen. Herr K. hatte insofern recht, als wir den Ausdruck „Klavier“ landläufig für ein Pianino verwenden, er selbst aber auf einem Konzertflügel spielte. Andererseits handelt es sich bei dem Begriff „Klavier“ („Clavier“) genaugenommen um einen Oberbegriff für sämtli...

Beethovens zehntes - Vom Einfluss des Alkohols auf die Musik

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So ab und an hat ja auch das Fröken Finemang mal einen Tag, an dem es sich nicht mir Lernen, Recherchieren, Bibliographieren und Ähnlichem beschäftigen, aber trotzdem etwas lesen möchte. Nur eben etwas entspannter und gemütlicher. Ja, und dann liest es *hust*  ganz besonders gerne *hust-hust* Kriminalromane, in denen Musikwissenschaftlern der Schädel zertrümmert wird und irgendein abstruses Stück Papier aus seinen Unterlagen fehlt, dem niemand zuvor besondere Aufmerksamkeit geschenkt hat. Jaaaaaa, irgendwie finde ich das entspannend... und nein, ich gebe den zerhackstückelten Musikwissenschaftlern in meiner Fantasie NICHT die Gesichter realer MuWis, mit denen ich vielleicht ein ganz kleines bisschen auf Kriegsfuß stehen könnte...  So etwas gibt es nicht, ich liebe alle MuWis.  Fast.  Nun ja, einige.  Zwei.  Ach Quatsch, nehmt mich nicht ernst, bitte XD Eines dieser Bücher ist übrigens "Die zehnte Symphonie" von Joseph Gelinek, und der Tote ist in...

Alle Jahre wieder - vom Jojo-Effekt der saisonalen Gebrauchsmusik

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Wenn es einen Preis für das nervtötendste Musikstück aller Zeiten gäbe: Wer würde ihn wohl abräumen? Und anhand welcher Kriterien ließe es sich festmachen? Kriterien, die ein Musikstück außergewöhnlich machen, gibt es viele: Neuartig muss es sein, etwas nie dagewesenes wagen, richtungsweisend sein. Beethoven hatte so etwas wie ein Abonnement auf dieses Bewertungsmerkmal. Was auch immer der Herr mit der Hobbitfrisur auf den Musikmarkt warf, stieß alte Regeln um, änderte althergebrachte Schemata, setzte die Messlatte ein Stückchen höher. Plötzlich war das ein Satz mehr als gewohnt, ein Scherzo statt eines Trios, wurde die Tonart an bislang nie dagewesener Stelle verlassen und wieder eingefangen...und doch kann man sich auf einen festen Stil verlassen. Beethoven bleibt Beethoven, er wird niemals ein stiller, zurückgezogener Komponist sein, der ein paar vorsichtige Töne in den Raum wirft und einfach mal zusieht, wie sie sich entwickeln. Trüge er ein Symbol statt eines Namens, so w...

Forschst Du noch oder stalkst Du schon? Musikwissenschaft und Privatsphäre

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„Sag mal,“ bekomme ich des öfteren zu hören, „was machen Musikwissenschaftler eigentlich so?“ Eine Frage, die durchaus ihre Berechtigung hat, deren Beantwortung allerdings gar nicht so leicht ist. Immerhin ist Musikwissenschaft im Grunde nur ein wissenschaftliches Betätigungsfeld und kein Beruf im engeren Sinne, wie beispielsweise „Hebamme“ oder „GEZ-Kontrolleur“. Das sind so Ein-Satz-Berufsbeschreibungen, die man sich in der Wissenschaft manchmal wünschen würde. Im Grunde könnte man genausogut fragen, was Insekten so machen. Die produzieren ja auch nicht alle Honig, schleppen tote Kellerasseln in ihre Kolonie oder schwirren nachts durch fremde Schlafzimmer, um uns das Blut aus den Adern zu saugen. MuWis schreiben Artikel, erforschen alte Instrumente, die es längst nicht mehr gibt, digitalisieren wertvolle Notenhandschriften, rekonstruieren abgebröselte, tintenfraßegschädigte Manuskripte, oder kellnern irgendwo in einer Bar, denn die Anstellungsmöglichkeiten werden einem nicht ...