Forschst Du noch oder stalkst Du schon? Musikwissenschaft und Privatsphäre
„Sag mal,“ bekomme ich des öfteren zu hören, „was machen Musikwissenschaftler eigentlich so?“ Eine Frage, die durchaus ihre Berechtigung hat, deren Beantwortung allerdings gar nicht so leicht ist. Immerhin ist Musikwissenschaft im Grunde nur ein wissenschaftliches Betätigungsfeld und kein Beruf im engeren Sinne, wie beispielsweise „Hebamme“ oder „GEZ-Kontrolleur“. Das sind so Ein-Satz-Berufsbeschreibungen, die man sich in der Wissenschaft manchmal wünschen würde. Im Grunde könnte man genausogut fragen, was Insekten so machen. Die produzieren ja auch nicht alle Honig, schleppen tote Kellerasseln in ihre Kolonie oder schwirren nachts durch fremde Schlafzimmer, um uns das Blut aus den Adern zu saugen. MuWis schreiben Artikel, erforschen alte Instrumente, die es längst nicht mehr gibt, digitalisieren wertvolle Notenhandschriften, rekonstruieren abgebröselte, tintenfraßegschädigte Manuskripte, oder kellnern irgendwo in einer Bar, denn die Anstellungsmöglichkeiten werden einem nicht ...