Donnerstag, 4. Dezember 2014

Der Tageleuchter des Herrn von Zesen


 

Der Tageleuchter des Herrn von Zesen

 
Solarium, Wimperntusche, Shampoo, T-Shirt... all das sind Wörter, die wir täglich in den Mund nehmen, selbst wenn wir vorgeben, Deutsch zu sprechen. Als mir neulich Erich Kästners “Pünktchen und Aton” wieder in die Hände fiel und ich natürlich sofort wieder darin herumlesen musste (Buchstaben sind schließlich dafür da, entziffert und verarbeitet zu werden), stieß ich auf das Wort “Höhensonne” und hatte ein Aha-Erlebnis: Ach das ist das Wort, dass mein Vater immer verwendet hat, als ich noch klein und er noch genervt von seiner Blässe war.
Höhensonne sagt heute kein Mensch mehr. Wimperntusche vielleicht, bei Haarwaschmittel wird es bereits kritisch, ud Leiberl kenne ich nur noch von dem, was an Wiener Verwandt- und Bekanntschaften übriggeblieben ist. Und das ist nicht viel.
Und dann wären da noch Wörter, wie Ausflug, Kreislauf, Augenblick und Entwurf.

Exkursion, Zirkulation, Moment und Projekt klingen ziemlich Neudeutsch und in etwa so,
als wolle man nicht bei den "guten alten Ausdrücken" (= Expressionen) bleiben.
Tatsächlich verhält es sich aber genau andersherum.
Die genannten “deutschen” Ausdrücke sind künstlich eingeführte Verdeutschungen zuvor als Fremdwort im Umlauf befindlicher Fremdwörter.
Anders gesagt: Philipp von Zesen hat diese und viele andere Wörter erfunden und in Umlauf gebracht.
Ohne ihn hätten wir nicht eimal ein Weltall (nur ein Universum :D )

Ob das nun eine gute oder eine schlechte Sache ist, sei dahingestellt, worauf ich hinauswill ist eine ganz andere Sache: Obschon viele von Zesens Wortschöpfungen teil unserer Alltagssprache geworden sind, haben es doch eine ganze Menge Ausdrücke nicht in den allgemeinen Sprachschatz geschafft.
Zu diesen gehören beispielsweise so klangvolle (*hust*) Kreationen, wie “Dörrleiche” für Mumie, “Meuchelpuffer” für Pistole und nicht zuletzt “Tageleuchter” für Fenster.


Dieser Tageleuchter müsste an Tagen wie heute allerdings in Tagenichtser umbenannt werden, denn genau das tat er heute. Nichts.
Von einem Leuten war nicht das Geringste zu bemerken.
Bestenfalls Tageschimmerer würde ich mir eigehen lassen.
Und auch das nur etwa 10 Minuten lang.

Diese Winterfinsternis geht mir gelinde gesagt auf den Geist.
Und das schon Anfang Dezember...

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