Mittwoch, 10. Dezember 2014

Dido and Aeneas, Ariadne and the lot


Dido und Aeneas. Im Grunde handelt es sich sowohl bei der Sage, als auch bei dem, was in der Oper davon geblieben ist, um ein gefundenes Fressen für die Kolleginnen und Kollegen von den sogenannten Gender Studies. Dasselbe gilt im Übrigen für Ariadne auf Naxos, Medea und was es da sonst noch so gibt ans Stoffen, die es von der Antike über die Renaissance auf die Opernbühnen des Barockzeitalters geschafft haben.

Fassen wir die Grundgeschichten doch einmal kurz zusammen  und betrachten wir sie dabei vom Standpunkt der Frauenrolle, bzw der Mann-Frau-Beziehung an sich.

Ich käme da in etwa auf das folgende Schema:
  1. Mann ist in Not.
  2. Wie immer, wenn Mann nicht weiterweiß, heult er sich erst einmal bei der nächstbesten schönen Frau aus und verknallt sich bei dieser Gelegenheit in die Holde, welcher er sogleich die Ehe, 3 Kinder und den Himmel auf Erden verspricht, sollte er die ganze Sache wider Erwarten doch noch überleben.
  3. Frau denkt einmal kurz nach und und kommt auf eine schnelle, einfache und praktikable Lösung des Problems, an dem sich bereits Generationen von Männern die Zähne ausgebissen hatten.
  4. Frau rettet Mann das Leben.
  5. Mann macht sich daraufhin vom Acker. Er hat ja jetzt bekommen, was er wollte.
  6. Frau a) versauert in der Einöde
        b) nimmt sich das Leben
        c) verliert den Verstand
        d) zerstückelt ihre gesamte Brut, um dem untreuen Kindsvater eins auszuwischen, hat dabei allerdigs bereits Phase c) durchlebt und merkt nicht mehr, dass sie damit eigentlich die Falschen zerlegt.

Da halte ich mich doch lieber an die bei Komponisten seit Monteverdi allseits beliebte Story von Orpheus und seiner Braut Eurydike: Die lässt sich wenigstens gepflegt von einer Schlange beißen und macht den entscheidenden Fehler erst, als sie ohnehin bereits tot ist (ja, das geht. Bei den Griechen geht das :D ) Ihr Fehler besteht darin, dass sie einen Kontroll-Freak geheiratet hat, der ihr nicht einmal zutraut, auf dem Weg aus der Unterwelt einen Fuß vor den anderen zu setzen, ohne sich umdrehen und nachsehen zu müssen, ob die Gute denn auch alles richtig macht. Und versaut die ganze Sache damit endgültig. Tja. “Don't marry, be happy!”, wie es so schön heißt.

Man fragt sich allen Ernstes, warum man sich überhaupt auf die Männer verlässt.

Frau Purcell, die Gattin des großen englischen Barockkomponisten Henry Purcell (auf dessen Kappe die Oper von “Dido and Aeneas” übrigens geht), hatte den Kanal jedenfalls gründlich voll davon, allnächtlich darauf zu warten, dass ihr Göttergatte von seinen Sauftouren duch die Pubs der Hauptstadt nach Hause kam, durch das Haus rumpelte, überall Licht anmachte und die ganze Familie aus dem Schlaf riss, schloss die Haustüre eines Nachts kurzerhand von innen ab und legte sich ins Bett.

Ihr Henry musste seine hübschen roten Löckchen in dieser Nacht auf die steinerne Vortreppe betten, und fing sich bei dieser Gelegenheit eine derartige Erkältung ein, dass er seine Opernbühne nie wieder betreten konnte. Er starb 1695, gerade einmal Mitte dreißig, und hatte dabei sicherlich die berühmte Arie der Dido (Dido's Lament) im Ohr: Remember me! Remember me! But (ah!) forget my fate!

 
 
Dido and Aeneas (konzertante Aufführung) in der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber
am 10. Dezember 2014
 
Mützenspontankauf dank ebenso spontanem Schneeregeneinsatz
 

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