Dienstag, 9. Dezember 2014

Das Judenthum in der Musik


 
 
Im Herbst 1850 erschien ein Artikel mit dem Titel “Das Judenthum in der Musik”, verfasst von einem gewissen Karl Freigedank, in der eigentlich renommierten “Neue Zeitschrift für Musik”, Leipzig.

Interessanterweise handelte es sich bei eben diesem Herrn Freigedank um keinen Geringeren als Richward Wagner, der sich zwar nicht entblödete, jüdische Komponistenkollegen, wie Meyerbeer, den kurz zuvor verstorbenen Felix Mendelssohn-Bartholdy, und im Zuge dessen irgendwie auch Gustav Mahler und Konsorten, die ohnehin mit antisemitischen Anfeindungen zu kämpfen hatten, aufs Übelste zu diskreditieren (ich zitiere an dieser Stelle mal [widerwillig]:) “Der Jude ist an sich unfähig, weder durch seine äußere Erscheinung, noch durch seine Sprache, am allerwenigsten durch seinen Gesang, sich uns künstlerisch kundzugeben.” , wohl aber ein offensichtliches Problem damit hatte, seinen wahren Namen preiszugeben.. So viel zum Thema Arsch in der Hose.

Wer sich an dieser Stelle fragt “Wie feige ist das denn bitte?” dem sei Folgendes gesagt: Im Bezug auf Wagners restliches Leben ist so etwas auf einer Skala von 1-10 gerade mal eine müde 3 …

Man kann auch jahrelang auf riesengroßem Fuß leben (von geliehenen Geldern natürlich) und sich dann ins Ausland absetzen... oder mal eben so lange die Fahne der Revolution hochhalten, bis man keinen Nutzen mehr daraus zieht...oder Eigentum für Diebstahl erklären, das Geld der Gönner aber gerne annehmen... fremde Ehefrauen schwängern...die Liste ist lang. Und besagte fremde (dann eigene) Ehefrau stand ihm in Punkto Antisemitismus im übrigen in nichts nach... was ist das nur, das Menschen dazu treibt, andere ohne mit der Wimper zu zucken niederzumachen, sofern man sich dadurch  eine Steigerung des eigenen Ansehens erhofft?

Schön ist das Thema nicht. Wer die Musik Richard Wagners mag, ist immer irgendwie ein bisschen in Erklärungsnot, so, als habe er die Haltung des Meisters mitzutragen...als fände man George Bushs Anzüge todschick oder sähe mit Schnauzbärtchen und Seitenscheitel einfach umwerfend aus... was dann? Trotzdem anziehen? Inwieweit verantwortet der “Fan” eigentlich die politische Haltung des Künstlers? Und kann Musik an sich überhaupt politisch sein? Nach Art der barocken Formen- und Affektenlehre irgendwelche Antipathien freisetzen?

Wären derartige Tendenzen dann auch spürbar, wenn man nichts über die Einstellung des Schöpfers eines Stückes wüsste? Ergeben 3 aufeinanderfolgende Sexten dann so etwas wie das Zeichen auf der Stirn des Tieres (Biestes) aus dem Traum des Paulus? Also los, Probe aufs Exempel... ran ans Klavier, anschlagen... irgendwie fast so, als stelle man sich vor einen Spiegel und riefe 3x hintereinander “Bloody Mary”, oder stecke einen Plüschgremlin in die Waschmaschine.... gruselig, finde ich.
Da werfe ich doch lieber Gustav Mahlers Kindertotenlieder in den CD-Player und erfreue mich an der Tatsache, dass der gute Herr Wagner einen ausgemachten Schmarrn verkündet hat: Dieser Jude konnte sich zumindest ganz wunderbar kundgeben. Ich liebe Mahler!

Heißer Tee und die Musikhochschule am Morgen:
2 Dinge, die ich liebe. 

 Wie mag wohl das Wetter gewesen sein? Ich tippe auf: kalt!






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