Dienstag, 16. Dezember 2014

Carl Orff - das ist doch der Typ aus der Bierwerbung?


 
Mal ehrlich: Hand hoch, wer ein Stück (und sei es ein Lied aus einem Zyklus, einen Satz aus einem mehrsätzigen Werk, oder auch nur ein Thema oder eine Melodie) von Orff kennt, es singen oder meinetwegen auch pfeifen kann! Prima. Klopfen wir uns gegenseitig lobend auf die Schulter und bereiten wir uns innerlich auf die nächste Aufgabe vor: Wer kennt ein Stück von Carl Orff, das NICHT in direkter Verbindung zu einer Bierwerbung erscheint? Oha...Mist...der hat noch mehr geschrieben? Ehrlich?
Wissen Sie was? Ich halte das ganz einfach für ein Gerücht und behaupte das Gegenteil: Carl Orff hat nur dieses eine Stück für die Bierwerbung geschrieben, für die auch die Semperoper gebaut wurde, um dem prickelnden Gerstensaft eine hübsche und angemessen wirkungsvolle Kulisse zu geben.
Mozart hat ein Streichquartett für eine Sektmarke komponiert, Edvard Grieg schrieb die berühmte Gargamel-Suite aus den Schlumpfcartoons  und Brahms war der Typ mit dem Rauschebart, der die Tänze für die kleinen Schweinchen fabrizierte *klick*.
Sonst nichts. Nicht eine Note. Keiner von ihnen. Wozu denn auch? Das Zeug wird in den Medien rauf und runter gespielt, von den Tantiemen müsste man doch eigentlich leben können, wie Gott in frankreich. Oder sich zumindest ein Landhaus in der Toscana kaufen und einen auf bodenständiger Bauer machen, wie es unter Stars der Musik- und Filmbranche ja derzeit in Mode zu sein scheint.
Guiseppe Verdi (der Typ mit der Pizzawerbung) hat das im übrigen vorgemacht, ist also gewissermaßen ein Trendsetter für die neue ländliche Einfachheit mit Whirlpool im Steingfigurengarten und einem gut gefüllten Bankkonto als Sicherheit im Hintergrund.
Ach ja, Verdi.... bei dem wird es schon etwas schwieriger, der hat gleich mit zwei Firmen kooperiert, war sozusagen ein Doppelagent in musikalischer Mission. Hat er dieses "La Donna è mobile" denn nun für den Pizzahersteller komponiert? Oder doch eher für die Cornflakehäppchen mit Schokoladenüberzug? Oder war das nicht vielmehr der Typ, der die Gewerkschaft gegründet hat?
Wer jetzt lacht, hat vermutlich eine Sache übersehen: Guiseppe Verdi hat sich tatsächlich in vorbildlicher Weise für faire Bezahlung und Behandlung der arbeitenden Bevölkerung eingesetzt und einen nicht unerheblichen Teil seines Geldes in die Gründung eines Altersheimes für ehemalige Musiker gesteckt. Das Casa Verdi gibt es übrigens heute noch. Es beherbergt mittlerweile neben eben jenen alternden Musikern auch Musikstudenten und kann auf folgender Seite besucht werden: *klick*
Zugegebenerweise konnte er sich das als erfolgreicher Komponist auch leisten, allerdings war sein Verdienst auch an harte Arbeit gebunden. Tantiemen und Vermarktungsrechte für Musik haben wir eigentlich erst seitdem Richard Strauss (der mit den 2 "s" und "Elektra", nicht der Josef mit seinen Walzern oder sein gleichnamiger operettenkomponierender Sohnemann) gemeinsam mit Hans Sommer und Friedrich Rösch Anfang 1903 die Genossenschaft Deutscher Tonsetzer, die spätere GEMA, gründete.
Glück für die Rechteinhaber, Pech für die Pizzakunden, welche die Kosten für Werbung nebst dazugehöriger Musik ganz einfach auf ihre Pizza aufgeschlagen bekommen. Pizza Gema sozusagen. Con Sordino. *Kalauermodus aus*
Dafür bekommt man als Kunde aber auch eine Kostprobe wunderbarer Meilensteine der klassischen Musik, die es sich weiterzuverfolgen lohnt. Ab dann gilt wieder: Selber googeln macht schlau.



 Weihnachtsfeier im Institut für Musikwissenschaft, Dresden

 

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