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Lieber Herzenspupsuhu! Spitznamen unter Musikern und Partnern

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Spitznamen sind ja so eine Sache, die gleichwohl äußerst beliebt, auch ebenso verhasst ist. Bei den Opfern nämlich, welchen sie auferlegt wurden. Meine Bekannte Siliana versuchte sich jedes Mal, zwischen den Auslagen der Geschäfte zu verstecken, wenn sie beim Einkaufen von ihrer Mutter „Silli“ gerufen wurde. Dazu muss man allerdings anfügen, dass wir zu diesem Zeitpunkt in England lebten und ihre deutschstämmige Mutter das Problem nicht zu erkennen schien. Nicht viel anders erging es Svenja, die bei einem Schüleraustausch nach Moskau erfahren musste, dass ihr Name auf Russisch „Schwein“ bedeutete. Und wer erinnert sich nicht daran, dass der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber seine Gattin Karin in aller Öffentlichkeit „Muschi“ rief? Geht es noch schlimmer? (Natürlich geht es noch schlimmer. Schlimmer geht’s immer, wie man zu sagen pflegt, aber bei einer Fernsehübertragung eines politischen Großevents mit dem Namen eines exklusiv weiblichen Körperteils belegt zu wer…

Verdi im Kopf - von Cocktailparties, Pizzawerbung und neuronalen Verschwörungstheorien

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„Sportfreunde“. Ein Wort, das vor wenigen Tagen in meiner Umgebung fiel, und das mich zum großen Grübeln anregte. „Meine Sportfreunde“.
Sportfreunde, das klingt nach Samstagnachmittagsbier vor der Sportkneipe in meinem Heimatdorf, die einfach nur deshalb Sportkneipe hieß, weil der Sportplatz in Sichtweite war und die Aschenbahn am Biergarten vorbeiführte. In der Sportkneipe gab es Bier, Männer mit Bäuchen, die auf ausgiebigen Genuss desselben schließen ließen, und eine Truhe mit Eis aus der vorletzten Saison, das am Einwickelpapier klebte, wie Fliegen an der Kleisterfalle, und an den Rändern eine seltsame gummiartige Konsistenz angenommen hatte. Die Sportfreunde, das waren die Bierkerle, die den Sport so lange gerne hatten, wie sie ihm vom Biergartenstuhl aus zugucken konnten. Ging es darum, sich selbst zu bewegen, wollten sie nicht mehr sein Freund sein. So gesehen habe ich keine Sportfreunde. Oder bezog sich die Äußerung eher auf Freunde, mit denen man gemeinsam Sport treiben geht? Au…

Im Schnepfenaquarium - Richard Wagners Rheintöchter

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Als ich noch kein Fröken, sondern höchstens eine Flicka, ein kleines Mädchen also, war, begann das, was mein Leben über eine lange Zeit hinweg bestimmen sollte: Umzüge. Ich erinnere mich an einen Auftritt vor einigen Jahren, bei dem ich einen song („My Town“) mit den Worten ankündigte, ich sei nun 23 Mal umgezogen und hätte endgültig den Kanal voll, sehnte mich nach einem Zuhause, das den Namen auch verdiente. Und was soll ich sagen? Keine 6 Monate später packte ich meine Sachen erneut. Diesmal nur eine Türe weiter, aber immerhin. Wer mich heute erschrecken will, droht mit irgendwelchen weiteren Nomadenaktionen. Huh! Schlimm an der Umzieherei ist für Kinder meist der Wechsel der Schule, der Nachbarschaft oder des Freundeskreises. Irgendwo neu dazuzustoßen ist immer eine Herausforderung, besonders aber, wenn es sich um Mädchencliquen in Schulklassen handelt. Da gibt es keine Anpassungszeit. Entweder, man wird angenommen, oder eben nicht. Rangordnungen scheinen hier immer eher Hackordnun…

Hall aus Sachsen? Händel-Rezeption und -Idealisierung in der DDR

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Das Problem einer neuen Ideologie, einer neuen Regierung oder eines neu geschaffenen Staates besteht zunächst einmal darin, dass er oder sie nun einmal genau das ist: Neu. Altes soll hinter sich gelassen, Neues in den Vordergrund gerückt, und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit auf Basis neuer Werte geschaffen werden. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer: Ein Gefühl der Zusammengehörigkeit stellt sich dann ein, wenn Menschen Dinge teilen: Erinnerungen, Geschichten, Wertvorstellungen. Wir wissen (noch) nicht, wer wir sind, haben unsere Geschichte hinter uns gelassen, aber wir sind einander verbunden; das ist eine Idee, die sich nicht so einfach verwirklichen lässt. Ohne gemeinsame Hintergründe sind wir keine Gemeinschaft.
Nun sind diese Hintergründe glücklicherweise gar nicht so schwer zu finden, wie man zunächst glauben könnte: Steckt man drei einander völlig fremde Menschen in den Warteraum einer Tierarztpraxis, bilden sie bereits wenige Minuten nach dem Abspulen der allgemeinen Begr…

Silvester im Regen - Händels Feuerwerksmusik

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Als ich noch ein ganz kleines Froeken war, da war Silvester eines der coolsten Ereignisse im Jahreslauf und kam gleich hinter dem Hexenfeuer am Schmutzigen Donnerstag und dem Tag, an dem dieKartoffeln eingefahren wurden und man nach Einbruch der Dunkelheit auf dem Feld sitzen und die Restkartoffeln im Feuer garen konnte. Man merkt schon: Ich hatte einen nicht unerheblichen Hang zur Pyromanie, was aber nicht ganz so schlimm ist, wenn man noch so klein ist, dass man die Kerze in der Martinslaterne nur anzünden darf, wenn Papa daneben steht und aufpasst, dass man nicht die ganze Papierlampe in Brand setzt.
Jedenfalls gab es an Silvester Gäste, vorzugsweise mit Kindern in meinem Alter, wir durften Rauchbomben abfackeln und mussten nach dem Abendessen ins Bett, zum „Vorschlafen“. Kurz vor Mitternacht wurden wir dann geweckt und starrten vor dem Haus auf das Geknalle und Geflimmer im Nachthimmel, bis uns die Ohren schmerzten und sich an den Nasenhaaren Eiszapfen gebildet hatten. Danach war w…

Händel with care! Der Meister in der Nazizeit

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„Ich lese keine Märchenbücher mehr, ich bin schon groß!“ las ich neulich in einem Forum als Antwort auf die Frage, wer denn die Bibel gelesen habe. Die Antwort ist deshalb witzig, weil sie die Frage gleichzeitig beantwortet und nicht beantwortet. Nicht beantwortet, weil kein Mensch etwas über Märchenbücher wissen wollte, und die Bibel auch kein solches ist. Da scheint wohl jemand Geschichte mit Geschichten verwechselt zu haben (und fragt sich in der Schule im Geschichtsunterricht jedes Mal, wann denn endlich das Märchen von Rotkäppchen erzählt wird), denn genau das ist die Bibel: Ein Geschichtsbuch. Ein Geschichtsbuch, ein Gesetzbuch, ein Handbuch für den Umgang mit den irrsten Situationen. Vielleicht wird es einfach Zeit, das Ding umzubenennen: statt unter „Bergpredigt“ fassen wir die wichtigsten Tipps einfach unter dem Titel „Coole Alltagshacks, die Du gelesen haben musst“ zusammen und stellen die Sache ins Netz. Mal sehen, was dann passiert. Aber zurück zur Nicht-oder doch-Beantwor…