Donnerstag, 22. Januar 2015

Der Friedi... in Dresden und Halle




Teil 4 des Friedemann Bach Geplauders.
Hier geht es zu Teil 1, Teil 2 und Teil 3

Wilhelm Friedemann Bachs erste feste Anstellung als Organist an der Dresdner Sophienkirche verschaffte ihm, wie bereits erwähnt, sein Vater Johann Sebastian, der sogar soweit ging, das Bewerbungsschreiben seines Sohnes zu fälschen.Friedeman selbst hatte nämlich erst gar keines geschrieben. Falls sich an dieser Stelle übrigens jemand fragen sollte, wo die Sophienkirche denn eigentlich steht: Sie wurde im 2. Weltkrieg schwer beschädigt, 1962 abgerissen und durch ein Gasthaus mit Kneipe ersetzt. Hätte Friedi sicher für gut befunden, aber dazu später. Und das mit dem Bewerbungsschreiben hätte auch von meinem eigenen Vater stammen können, der jahrelang daran verzweifelte, dass seine postpubertären Kinder keinerlei Interesse an fristgerechter Korrespondenz mit offiziellen Stellen hatten. Sprich: Wenn man den Tisch unter dem Stapel von Papierkram noch sehen konnte, wurde auf alle Fragen mit “Jaja, das mach ich schon noch” geantwortet. Irgendwann. Wenn ich drandenke. Sonst halt nicht. Bei Wilhelm Friedemann wird es in diesem Alter (er war gerade 23, also im besten Prokrastinationsalter, wer Beweise braucht, sollte sich mal die Küche in einer Studenten-WG ansehen) ähnlich gewesen sein.


Immerhin spielte er in Dresden vor, wurde für gut befunden und nahm die Stelle an. Ein erster Erfolg und ein Grundstein auf dem Weg zu einem der Spitzenmusiker seiner Zeit. Und zunächst sah auch alles nach einer typischen Bachkarriere aus: 13 Jahre nach Amtsantritt in Dresden bewarb er sich als Musikdirektor und Organist in Halle, heiratete und wurde Vater von 3 Kindern, von denen allerdings lediglich die Tochter Friederike Sophie das Erwachsenenalter erreichte. Diesen Schnitt (eines von dreien überlebt) hatte er in seinem Elternhaus zwar auch gehabt, allerdings blieben bei 20 Geburten immer noch genügend Kinder übrig, um das Haus mit Leben zu erfüllen. Ein einziges Mädchen statt einem Stall voller tobender Jungs und einer zusätzlichen Ladung Thomanerknaben, die ein- und ausgingen, als gäbe es dort das Bier umsonst, das ist ein ziemlicher Unterschied. Ob er sich das so vorgestellt hat, der Friedemann?
 
Vielleicht lief in Halle auch ganz einfach nicht zu seiner Zufriedenheit, und wenn Wilhelm Friedemann seiem Vater so ähnlich war, wie es immer wieder heißt, dann wird er vielleicht auch dessen Dickschädeligkeit geerbt haben, vor allem, wenn es darum ging, Vorschrifte seitens irgendwelcher Vorgesetzten, die zwar über die Arbeit eines Musikers bestimmen durften, jedoch selbst mur Bürokraten, aber eben keine Künstler waren, irgendwie zu umgehen oder zumindest ein wenig abzuändern. Vielleicht hatte er ja keine große Lust, sein Leben damit zuzubringen, sich den Passierschein A38 holen zu müssen, jedenfalls gab er das Amt in Halle 1764 wieder ab, auch ohne eine neue Anstellung in Aussicht zu haben. Versuche, in Zittau, Frankfurt am Main und später am Darmstädter Hof (die Stelle erhielt er sogar “nominell”, trat sie aber tatsächlich nie an) waren schon vorher gescheitert. Schlussendlich knallte es bei der Amtsübergabe in Halle noch einmal gewaltig, nachdem bei der Inventur ein Geigenbogen, ein Zink eine Posaune und einige Saiten fehlten. Dass man sich nach 18 Jahren im Amt für ein paar verschollene Saiten rechtfertigen muss, ist schon recht verwunderlich. Noch witziger ist die Tatsache, dass ihm die verschwundene Posaune zur Last gelegt wurde, sich im Gegenzug aber kein Mensch über die zusätzliche Trompete zu freuen schien, die das Inventar im Laufe seiner Zeit in Halle auf wundersame Weise bereichert hatte... nun ja, manchen kann man's eben nie recht machen :)
 
Vielleicht hatte Friedemann auch danach erst mal den Hals voll von Anstellungen und Gängeleien. Wie gesagt, als der “Kuschelbach” war er nicht gerade bekannt, ich tendiere ein wenig dazu, die Lieblingskindeschichte dafür verantortlich zu machen. Wer als Kind nie das Wort “nein” gehört hat, hat nicht gelernt, mit Gegenwind und Frustration umzugehen. Anna Magdalena, auch Dir meine tiefste Sympathie. Einen nur 9 Jahre jüngeren verwöhnten Stinkstiefel zum Stiefsohn zu bekommen...da muss der alte Bach aber ganz schön was auf (bzw in) dem Kasten gehabt haben, um das bei ihr wettzumachen. 

 Noch ein Stinkstiefel... zumindest dem Blick nach.
Eigentlich ist sie ja ein scheues Kätzchen, aber fotografiert zu werden, das mag sie gar nicht :)
 
 

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