Dienstag, 20. Juni 2017

Dann doch lieber Kevin? Namensgebung nach Wagneropern






Siegfried und Richard hießen zwei Brüder mit denen ich meine Grundschulzeit verbrachte. Heutzutage wären „Siegfried und Roy“ vielleicht die naheliegendere Assosaziation, was die Namensgebung betrifft. In meiner Kindheit waren die beiden Großmiezenflüsterer allerdings vermutlich weniger bekannt, jedenfalls wusten wir ganz genau, welche Musik die Eltern gerne hörten. Nomen est Musikgeschmack sozusagen.
Hätte die Familie Müller, Meier oder Leutheusser-Schnarrenberger geheißen, wäre die Sache trotz allem vielleicht weniger eindeutig gewesen, immerhin hätte da ja noch die traditionelle Namensgebung eine Rolle spielen und ein paar Oppas oder Onkel Namenspatronen der Kinder sein können, allerdings hießen die guten Leute mit Nachnamen Ötzgentürk, was die Oppageschichte aus dem Rennen beförderte und den Bezug zum komponierenden Idol etwa so klarmachte wie die Tatsache, dass die beiden das Klavierspielen vor dem Laufen lernten und als einzige Schüler meiner Klasse Schreibfehler produzierten wie etwa „Mein Oper wohnt in Ankara“ oder „Sie kündigen ihren Job, weil sie keinen Lohen grin“.
Ein ähnliches Phänomen erlebte ich (inzwischen selbst Lehrerin) in Form eines 14-jährigen vietnamesischen Jungen namens „Ronaldo-Pélé Chung“, der seine Eltern zur Verzweiflung brachte, indem er, wenn er nicht gerade in einem seiner zwei Chöre sang, vor dem Fernseher saß und Folge um Folge seiner Lieblingsserie „Gossip-Girl“ konsumierte. 
Neben dem bereits bekannten abgenudelten Noemn est Omen-Spruch gibt es eben auch noch die von Billy Shakespearevertretene These, Namen seien insofern eine doch eher sinnfreie Erfindung, da Rosen eben nach Rosen duften, egal, wie man die Dinger tatsächlich benennen mag. Goethes Faust zufolge sind Namen sogar nichts als Schall und Rauch, wobei der gute Herr Magister in diesem Fall weniger einen auf Lohengrin macht, als sich wie ein Aal auf dem Trockenen um die Frage herumwindet, wie er es denn so hält mit der Bibeltreue. Und auf etwas, das man nicht genau benennen kann, kann man auch von frisch geschwängerten Frauen nicht so einfach festgenagelt werden.
Aber wo wir gerade beim Thema sind: Der geschätzte Herr Verratichnicht, ebenfalls eingefleischter Wagnerianer, überaschte mich eines Tages mit der Aussage, dass er Elsa für einen schönen Namen hielte.
Nachdem hektisch angestellte Nachforschungen ergeben hatten, dass selbst Kondome aus transsilvanischer Drachenhaut nicht mit 100%iger Sicherheit vor kleinen Mädchen schützen können, begann ich, mich ein wenig genauer mit den wagnerianischen Frauennamen zu befassen und kam angesichts der Alternativen zu dem Schluss, dass der gute Mann (Richard Wagner meine ich natürlic, nicht den Herrn Verratichnicht) ein weitaus gestörteres Verhältnis zu Frauen gehabt haben muss, als mir bis dahin bewusst war, und dass Elsa bei Lichte betrachtet doch gar kein so schlechter Name sei. Eigentlich ist er sogar ganz schön. Schwertleite, Woglinde, Flosshilde und Wellgunde würden mir da vermutlich zustimmen.
Fricka halte ich da für weitaus bedenklicher. Nicht, weil den Name an sich nicht schön wäre, aber angesichts dessen, was pubertierende Jungs einer Klassenkameradin dieses Namens alles hinterherrufen können, würde ich mir die Namensgebung diesbezüglich doch gut überlegen. Freya passt dann irgendwie zum Thema Fricken gegen Kohle, taugt also auch nur bedingt als Vorname.
Der Name der Dame, die sich im Fliegenden Holländer freiwillig von den Klippen wirft (auch kein so tolles Vorbild für ein kleines Mädchen), Senta nämlich, ist übrigens eine freie Erfindung Wagners und wäre an sich gar nicht so hässlich, gäbe es nicht hunderte von Schäferhunden dieses Namens. „Senta Berger zum Beispiel“ meinte Herr Verratichnicht trocken, als ich ihm meine Schäferhundtheorie auftischte und damit war das Thema insofern vom Tisch, als ja auch keine Senta unterwegs ist, aber wer sich für alle Eventualitäten wappnen will, muss sich eben frühzeitig an Elsa gewöhnen.
Was die Männernamen angeht, so scheinen sich wenigstens ein paar davon für Menschen zu eignen. Der bereits angesprochene Siegfried wäre so ein Name. Oder auch Tristan. Tristan finde ich sogar irgendwie richtig gut. Zumindest wenn man den Namen mit Parsifal, Amfortas oder Gurnemanz vergleicht. Da haben es Bewunderer anderer Komponisten deutlich leichter. Eine Carmen oder einen Peer entlarvt man nicht so schnell als Opernopfer, wobei der Sohn eines Bekannten tatsächlich Tamino heißt und den uiiiii-wie-cool-Faktor für sich zu nutzen weiß. Immerhin handelt es sich bei Tamino um eine der sympathischeren Opernfiguren. Bei einem Monostratos wäre man da vermutlich vorsichtiger im Umgang.
Auch -um wieder auf Wagner zurückzukommen- so ein Hagen wäre mir ein wenig suspekt, zumindest würde ich ihm nicht gleich am ersten Tag meine verletzlichste Stelle anvertrauen. Irgendwie wird man die negativen Assosazionen nicht so schnell wieder los, wobei ein Bekannter von mir sogar Stein und Bein schwört, einen Hagen Kreutz zu kennen, in dessen Haut ich nun wirklich nicht stecken möchte. Manchmal weiß man nicht, ob man lieber die Eltern oder das zuständige Standesamt verklagen sollte.

Wagnerkinder und -enkel selbst wurden des Öfteren schon mit Namen aus den Opern belegt. Siegfried Wagner mag da das bekannteste Beispiel sein, aber auch Wieland ist so ein Fall, wobei Wolf Siegfried da sicherlich schwerer zu schlucken hatte, war doch der liebe Onkel Wolf, den seine Großmutter so verehrte, niemand anderes als Adolf Hitler und wie wir inzwischen gesehen haben, hängen die Omen der Nomen eben lange nach. Und zwar unabhängig davon, wie viele Wolfgangs es vor ihm gegeben haben mag.
Auch Siegfried Wagners Tochter Friedelind trägt einen Namen, der sich in einer seiner Opern (Der Schmied von Marienburg) wiederfindet, was nicht heißen muss, dass auch dessen übrige Opernfiguren sich als Namensgeber eignen. Urme möchte ich jedesfalls genausowenig heißen wie Katerlies'chen oder Hütchen. Wobei sich das Hütchen für den Freya der F(r)icka geht wieder als nützlich erweisen würde, sofern er nicht selbst vorhat, einer Tages mit einem Gurnemanz dazusitzen und im Tristan Tonfall zu seufzen „Isolde wirklich besser aufpassen, was ich tue!“
 Weiß jemand, was das ist? Diese Dinger sehe ich in vielen Wäldern und sie sind dermaßen gleich aufgebaut, dass man fast eine Verschwörung dahinter vermuten könnte...Verstecke für Walddaleks oder Ewokhütten oder so etwas...

                   In diesen Weinbergen haben wir neulich bei einem Fest gespielt... wunderschön.
                                       Ja, wir laufen beim Spielen an unseren Noten entlang :)
                                                                     Mit Flötistin

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen