Sonntag, 22. März 2015

Bachsche Geburtstagswünsche



Lieber Jojo, wie ich Dich nenne wenn wir unter uns sind, um Verwechslungen mit Flip, Friedi. Chris, Toffi und den anderen Mitgliedern der Bach-Familie auszuschließen (mal ehrlich, wenn es zu eurer Zeit eine Telefonauskunft gegeben hätte, oder Karriereportale wie Linkedin, und jemand auf die Idee gekommen wäre, unter dem Stichwort “Musik” nach dem Namen “Bach” zu suchen, hätte er euch wahrscheinlich hinterher auf einen Kuraufenthalt verklagt, um seine Nerven und das Durcheinander in seinem Kopf wieder zu sortieren, und falls irgendjemand bei einem eurer Familientreffen nach dem “Johann” gesucht hätte, wäre es ihm sicher ähnlich ergangen. Wahrscheinlich hätte es der Einfachheit halber neben Facebook auch noch ein Bachbook gegeben...oder Musi-VZ, oder vielleicht auch Instabach. Hätte zumindest den armen Seelen, die Jahre ihres Lebens damit verbracht haben, das Bachwerkeverzeichnis zusammenzustellen, nur um hinterher unter die Nase gerieben zu bekommen, dass die bekanntesten Menuette ohnehin falsch einsortiert sind, ein paar graue Haare erspart).

Jedenfalls, noch einmal ganz kurz und von Herzen: Herzlichen Glückwunsch zu … hmmm.zum Geburtstag? Oder zur Geburtswoche? Oder der Geburtsdiadekade?


Ist schon ein bisschen blöd, wenn man ausgerechnet in dem Zeitraum geboren ist, jenen Tagen nämlich, die bei der Umstellung vom julianischen auf den gregorianischen Kalender dem Rotstift zum Opfer gefallen sind und ganz einfach gestrichen wurden.

Schaltjahreskinder haben es da ja schon schwer genug, die haben nur alle 4 Jahre an ihrem tatsächlichen Geburtstag, dem 29. Februar, etwas zu feiern und müssen sich ansonsten mit einem Ersatzgeburtstag zufrieden geben. Aber Du und Dein Fast-Freund Georg Friedrich (“Freddie”) Händel, ihr habt ja irgendwie niemals wirklich Geburtstag.

Schade eigentlich, dass man überhaupt keinen Geburtstag erleben kann und dabei trotzdem älter wird. Wenigstens das hätte euch erspart geblieben sein können. Dann hätte es im Alter auch keine Wehwehchen mit den Augen gegeben, die wären ja genau so jung geblieben wie am ersten Tag.

Auch das teilt ihr euch ja: Nicht nur das Geburtsjahr mit den ausradierten Tagen, sondern auch den lieben Herrn Taylor, der euch beide an den Augen operieren sollte, und dessen Augenoperationen später als die Akte in die Musikgeschichte eingingen, die die beiden größten Komponisten ihrer Zeit das Augenlicht gekostet haben. Wobei eine rechtzeitige Umstellung auf Tageslichtlampen im Arbeitszimmer, sowie eine etwas ausgewogenere und weniger diabetesfördernde Ernährungsweise euch beiden die Probleme mit den Augen wahrscheinlich auch erspart haben könnte.

Tja, eigentlich hätte es so schön sein können mit euch beiden. Zwei so begabte und außergewöhliche Musikerpersönlichkeiten, die im selben Jahr das Licht der Welt erblickt haben, beide im heutigen Dunkeldeutschland (ok, das war gemein, ich entschuldige mich bei sämtlichen Hallensern und Eisenachern), also gar nicht so weit entfernt voneinander, beide ein bisschen schnell, wenn es darum ging, seiner Meinung Ausdruck zu verleihen (immerhin haben sich alle beide auf offener Straße “duelliert”, wobei das bachsche Duell von einem Fagottisten ausging, der die von seinem Kapellmeister verliehene Bezeichnung “Zippelfagottist” weniger witzig fand, als seine Orchesterkollegen (das ganze blieb allerdings von Seiten Bachs bei einer Drohung im Sinne von “Hör mal, Jungchen, ich hab nen spitzen Stock dabei, also reg dich wieder ab, wenn Du keine Verletzungen haben willst”), das händelsche aus einer eher spaßig gemeinten Keilerei mit einem Musikerkollegen und eigentlich lebenslang guten Freund hervorging und abgebrochen wurde, ehe es tatsächlich gefährlich werden konnte. Also auch hier eine Gemeinsamkeit.



Wirklich schade, dass sich die beiden nie kennenlernen durften. Drei Mal weilte Händel in Halle bei Muttern, als Bach nah genug war, um ihm einen Besuch abstatten zu können. Und alle 3 Male wurde nichts daraus. Beim ersten Mal war Händel bereits abgereist, als Bach eintraf, beim zweiten Mal war Bach krank und schickte statt dessen den Friedi (seinen ältesten Sohn Wilhelm Friedemann Bach, der Händel wohl tatsächlich antraf und kennenlernen durfte), und der Grund für das Ausbleiben eines Treffens beim dritten Mal ist nun wirklich absolut hieb- und stichfest: Bach war tot. Und soweit, sich ausbuddeln und in einem geeigneten Gefäß beim Kollegen vorbeifahren zu lassen, ging die Verehrung dann doch nicht.

Jedenfalls: Ob es nun der 21. oder der 31. März gewesen sein mag, den Du als Deinen wahren Geburtstag angesehen hast, lieber Jojo... ich wünsche Dir von Herzen alles Gute zum 330. !

Lass Dich ordentlich feiern, Du einer meiner Lieblingskomponisten! Zumindest in diesen 10 Tagen solltest Du Dich überall zum Kaffee einladen lassen. Den magst Du ja schließlich, wennauch die Spesenquittungen Deiner Dienstreisen nahelegen, dass Du auch anderen Getränken nicht abgeneigt warst... aber hey, wie sagt man so schön? Ob es sich nun Koffein oder Alkohol handeln mag: Hauptsache es ballert! Das hast Du Dir verdient! Hoch die Tassen!


 Schnell noch die Haare schön gemacht, ehe man dem Geburtstagskind gratuliert :)

Und da waren wir noch fleißig mit Proben beschäftigt, für Bach in the Subways in Leipzig. Ein Termin, den wir dann leider nicht wahrnehmen konnten, da mich meine Lunge im Stich ließ. Aber es gibt ja auch noch einen 331. Geburtstag. Und da wird dann endlich aufgespielt! Versprochen!


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