Dienstag, 24. März 2015

Blogparade: Ganz neu beginnen?

[Blogparade] Wenn du dein Leben nochmal neu starten könntest – was würdest du dann tun?


Die Idee zu dieser Blogparade fand ich bei Sandra von ganzichselbst



Blogparaden... eigentlich so gar nicht mein Ding, aber diese hier hat es mir irgendwie doch angetan: Was würde ich tun, wenn ich mein Leben noch eimal neu beginnen könnte?


Eigentlich handelt es sich bei dieser Fragestellung bereits um eine vollkommen redundante Überlegung: Weshalb sollte ich mir Gedanken darüber mache, was ich ändern würde? Dazu gibt es eigentlich nur eine einzige Antwort und die lautet: Um mir darüber klarzuwerden, was genau ich in meinem Leben tatsächlich ändern WERDE. Futur statt Konjunktiv. Denn wir können unser Leben ändern. Noch einmal neu beginnen. Und zwar zu jedem Zeitpunkt.

Von Erkrankungen muss ich an dieser Stelle natürlich absehen. Wer sich im Laufe der Zeit eine Verletzung oder eine chronische Krankheit eingefangen hat, kann wohl tatsächlich nicht mehr Bergsteiger, Tänzer oder ähnliches werden, wobei das natürlich nicht heißen muss, dass man sich an den Bergen nicht mehr erfreuen oder Musik in irgendeine Form in Bewegung umsetzen kann. Dies gehört aber in eine andere Kategorie. Da nehme ich mich nicht aus. Sängerin beispielsweise kann ich mit meinen derzeitigen Problemen wohl auch nicht mehr werden, wobei aber auch das vom Musikstil abhängig ist.

Was ich eigentlich sagen wolle, ist aber folgendes: Wer mit Argumenten kommt, weshalb es nicht mehr möglich ist, einen Neustart zu wagen, sollte sich meiner Meinung nach zunächst einer ganz anderen Frage stellen: Wenn mir die Dinge, die ein Neustart mit sich brächte nicht wichtig genug sind, um mein jetziges Leben zu verändern, würde ich mein Leben denn dann überhaupt anders haben wollen? Oder bin ich nicht vielmehr im Grunde meines Herzens so zufrieden mit dem, das ich erreicht habe und das mich jetzt in eben diesem Leben hält, dass ich es, zumindest im Groben, wieder genauso aufziehen und lediglich die Voraussetzungen ein wenig modifizieren würde?



Die meisten Leute, die ich gefragt habe, was sie anders machen würden, wenn sie die Chance hätten, gaben recht ähnliche Antworten: Sie wären gerne damals schon so erfahren wie heute gewesen, hätten sich besser auf eine bestimmte Sache konzentriert oder wären stärker am Ball geblieben.
Nun sind genau dies aber Dinge, die wir alle genau jetzt auf der Stelle in die Tat umsetzen können. Hier können wir einen sofortigen Neustart wagen, ohne unser bisheriges Leben komplett aufgeben zu müssen: Ab jetzt lernen wir aus unseren Erfahrungen, kümmern uns mit ganzem Herzen um das, was uns wirklich wichtig ist und bleiben am Ball, bis wir Erfolg haben oder eben merken, dass es Zeit ist, loszulassen.

Und dann gibt es da noch die ganz großen Veränderungen im Leben, wie eine andere Berufs- oder Partnerwahl, die Wahl des Umfeldes oder der Ausbildung. In diesen Bereichen sollten wir wirklich abwägen, was wir ernsthaft anders haben wollten, was davon jedoch nur eine Träumerei ist, die auch gerne eine solche bleiben darf.
Jemand, der klar sagt: Ich KANN nicht nach Australien auswandern, weil meine Arbeitsstelle in Hintertupfing an der Knatter liegt, sollte so ehrlich sein, zu sagen: “Ich WILL nicht nach Australien auswandern, weil mir meine sichere Arbeitsstelle und meine Rente wichtiger sind, als ein unsicheres Leben als Schafschererin in Wagga-Wagga. Und ich würde wieder nach Hintertupfing ziehen, wenn ich noch einmal neu beginnen müsste. Da gibt es wenigstens keine Redback-Spinnen. Allerdings bin ich froh, den ganzen Weg nicht noch einmal gehen zu müssen.” Das hätte zumindest den Vorteil, dass derjenige merkt und ausspricht, dass er ein zufriedenes Leben führt und eigentlich keinen Grund zum Jammern hat. Nein, in Australien wäre er vermutlich nicht glücklicher geworden.

Selbiges gilt für Kinder, Haustiere, Partnerschaften. Wer seine Kinder nicht aufgeben würde, um nach Hollywood zu ziehen und sich Brad Pitt an den Hals zu werfen, liebt seine Kinder vermutlich mehr als Brad Pitt. Und das ist auch gut so, denn dann war der bisherige Lebensweg wohl der richtige.
 
Und ich? Was würde ich machen?

Vor etwas über einem Jahr habe ich meine Arbeit reduziert und bin zurück an die Universität gegangen um noch einmal neu zu studieren. Denn genau das hätte ich auch getan, wenn mir jemand die Chance gegeben hätte, noch einmal neu zu beginnen.

Gut, dann hätte ich es mit 20 Jahren getan, anstatt mit... nun ja...etwas später eben, aber vielleicht hätte ich dann im Anschluss doch noch Sprach- und Literaturwissenschaften studiert, wie ich es im ersten Anlauf getan habe. Dann allerdings mit mehr Ruhe und Freude an der Sache, denn dann hätte ich den Abschluss gehabt, den ich mir schon damals gewünscht habe und die Sprachen genutzt, um mehr und besser über das schreiben zu können, was mich wirklich interessiert: Musik. 
 
Jetzt wird es zwar etwas später werden, bis ich irgendwann hoffentlich meinen Master in Musikwissenschaft in der Tasche habe, aber ich werde nicht aufgeben, bis es soweit ist, auch wenn es eine Jonglage ist, in einem Alter, indem man aus dem bafög-, studentische Krankenversicherung, Stipendium- und weiß ich was alles -Raster herausgefallen ist und daher gezwungen ist, seinen Lebensunterhalt für sich und all die Wesen, die sich in meinem Haushalt tummeln, voll zu finanzieren.

Vielleicht wären meine Ängste, es nicht zu schaffen, damals kleiner gewesen, mit all den Möglichkeiten, die man mit 20 Jahren noch hat. Wahrscheinlich hätte ich damals jedoch eine ganz besondere Erfahrung gemacht, die mein Leben in vollkommen andere Bahnen gelenkt hätte: Ich hätte gemerkt, dass ich mich nicht verbiegen muss. Dass ich nicht das studieren muss, was meine Eltern für eine gute Wahl gehalten haben, um geliebt zu werden. Meine Idee, noch einmal ganz neu anzufangen, fand meine Mutter zunächst zwar erwartungsgemäß wenig lustig, merkte jedoch irgendwann, dass mich diese neue Aufgabe glücklich machte. Glücklich, weil ich ganz plötzlich das Gefühl hatte, einen Lebensweg zu haben, der meiner ist und den ich gerne gehe, anstatt mich ständig zu fühlen wie ein Wanderer, der sich verlaufen hat und versehentlich auf einer Schnellstraße gelandet ist, auf welcher er sein Leben damit verbringt, denjenigen auszuweichen, die in vollem Tempo an ihm vorbeirasen. Auf dem Weg zu einem Ziel, das sie klar vor Augen haben, man selbst jedoch nicht.

Ich hätte also bereits im Alter von 20 Jahren gemerkt, dass ich ein Recht darauf habe, meine eigenen Weg zu gehen, und dass ich dafür trotzdem nicht verstoßen oder weniger geliebt werde. Und das ist nun wirklich eine Erfahrung, die ich tatsächlich gerne früher gemacht hätte.

Aber dafür, sie dann eben jetzt machen zu dürfen, dafür, endlich auch ein Ziel vor Augen zu haben (Friedemann-Bach-Forscherin zu werden und aus meiner ganzen Schreiberei etwas zu machen, das meinem Leben Erfüllug gibt), dafür lohnt es sich auch, das Leben eben dann neu zu beginnen, wenn sich die Möglichkeit dazu ergibt. Und dieser Zeitpunkt ist, sofern man es wirklich möchte, eben an jedem einzelnen Tag unseres Lebens.

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