Samstag, 14. Januar 2017

Akkorde reloaded - Die Stellungen








Nachdem wir im letzten Post die Lagen der Akkorde bestimmt haben (wer geschwänzt hat, kann hier klicken, um zum entsprechenden Post zurückzukehren), schauen wir uns diesmal die unterschiedlichen Stellungen an.
Ja, ich bin mir der Zweideutigkeit dieses Satzes bewusst und die Tatsache, dass für diese Stellungen nicht nur zwei, sondern drei und mehr Gestalten wild übereinandergestapelt werden, macht die Sache nicht besser, aber vielleicht nutzen wir diese anfängliche Komik, um weniger mißmutig in die Materie einzusteigen.

Wer den Post zu Kadenzen und Akkordlagen gelesen hat, wird sich noch erinnern, wie genau die Lage eines Akkordes bestimmt wird: Wir nehmen den Grundton eines Akkordes als Ausgangspunkt und bestimmen dann das Intervall zwischen diesem Grundton und dem obersten Ton, der in den Noten zu sehen ist.
Dabei dürfen wir nur nicht vergessen, dass der Basston, also der tiefste Ton in den Noten nicht automatisch identisch mit dem Grundton ist, statistisch gesehen wäre er das bei einem Dreiklang nur in etwa 33% alle Fälle, denn es kann ja bei einem C-Dur-Akkord beispielsweise außer dem c auch das e oder das g im Bass liegen (man spricht dann von Terzbass oder Quintbass).
Grundton des C-Dur-Akkordes ist aber in jedem Fall das c.
Bei diesen 3 Lagen handelt es sich also um die Quintlage, die Oktavlage sowie die Terzlage.

Bei der Bestimmung der Stellung müssen wir ein wenig umdenken.
Nun gehen wir nach dem Ton, der im Bass liegt, dem tiefsten notierten Ton also, der aber nicht der eigentlich Grundton sein muss.
Bestimmt wird nun der Abstand zwischen dem tiefsten Ton und den darüberliegenden Tönen. Davon ist der nächsthöhere Grundton der wichtigste, der zuerst erwähnt wird.
Diese Art zu denken stammt von der Generalbassnotation des Barockzeitalters und zeigt im Grunde nur an, welche Töne auf dem Basston aufgebaut werden.


Oh nee, kommt jetzt das ganze Generalbassgedöns?

Leider ja, aber noch nicht in diesem Post.
Du kannst Dir fürs erste auch nur ein paar Bezeichnungen merken, um die Stellung anzugeben:
  1. Bei der Grundstellung, also dem Schneemann aus drei im Terzabstand übereinander geschichteten Noten sind der Basston und der Grundton identisch. Bei einem C-Dur-Akkord ist in diesem Fall also der Basston auch das c. Darüber befinden sich eine Terz und eine Quinte, die aber als so logisch angesehen werden, dass wir sie nicht erwähnen müssen. Wichtig ist ohnehin nur, wie groß der Abstand vom Bass-zum Grundton ist.
  2. Bei der ersten Umkehrung befindet sich die Terz im Bass. Tiefster Ton ist also nicht mehr der Grundton c, sondern das e. Über dem e kommen nun eine Terz (das g), die juckt uns nicht, uns interessiert der nächste Grundton, also das c.
    Basston e zu Grundton c → ( e-f-g-a-h-c) = eine Sexte. Der Akkord heißt somit Sextakkord.
  3. Bei der zweiten Umkehrung heißt unser Basston g. Darüber liegt der Grundton c, der vom g aus eine Quarte entfernt ist. Und darüber das e, das wir diesmal auch mitberechnen müssen. Warum das? Terzen sind logo und nicht erwähnenswert. Liegen nach Grundton aber weitere Töne in anderen Intervallen zum Basston, schreiben wir sie dazu. Die Quarte haben wir abgehakt, die Entfernung vom g zum e beträgt eine Sexte: Wir haben es also mit einem Quartsextakkord zu tun.

Da bei der Stellung eigentlich nur der Basston ausschlaggebend ist und ich darüber dann automatisch die entsprechenden Töne habe (dazwischengeschobene Oktaven können wir wieder rausrechnen, die machen den Akkord vielleicht klanglich interessanter, ändern aber nichts am System an sich), ist es, sobald ich den Akkord an sich bestimmt habe (also C-Dur oder auch fis-Moll oder B-Dur...), vollkommen ausreichend, mir einfach den Basston anzusehen.

  • Ist er zufälligerweise der Grundton, handelt es sich bei meinem Akkord immer um eine Grundstellung.
  • Ist der Basston der Terzton des Akkordes, handelt es sich um einen Sextakkord (zwischen Basston und nächstem Grundton liegt die Sexte).
  • Ist der Basston die Quinte (also das g bei C-Dur, das e bei a-Moll, das d bei G-Dur.....), habe ich einen Quartsextakkord.
Dies gilt erstmal für alle Dreiklänge, die aus Grundton, Terz und Quinte bestehen.
So weit so easy.

Nun haben wir in der Regel Notensysteme vor uns liegen, wie sie auch für das Klavier verwendet werden: Rechte und linke Hand, also Violin- und Bassschlüssel.
Auch hier gilt die Regel: Guck in den Bass. Der tiefste Ton, der dort liegt, zählt. Das ist der Basston, von dem Du ausgehen musst und der genügt auch, um die Stellung eines Dreiklangs zu erkennen.

Tipp 1: Ja, wir haben nun meist 4 Töne (einen im Bass und 3 in der „oberen Hand“). Aber weil 2 dieser Töne gleich sind (also 2 davon ein c oder ein h oder sonstwas), und nur 3 verschiedene Töne auftauchen), handelt es sich trotzdem um einen Dreiklang. Ein Vierklang wäre es erst dann, wenn alle 4 Töne unterschiedliche Namen hätten.

Tipp2: Vergiss nicht, die Töne im Bassschlüssel richtig zu bestimmen.

Zur Erinnerung:

Das ist derselbe Ton c, einmal im Violin- und einmal im Bassschlüssel notiert.
Um einen Ton zu erkennen, ist es aber egal, wie viele Oktaven dazwischenliegen, deshalb genügt es, sich un Punkto c folgendes zu merken:
Um aus dem Bassschlüssel in den Violinschlüssel umzurechnen, reicht es also, einfach eine Terz höher zu denken. Sieht aus wie ein a, ist aber (da vorne ein Basschlüssel steht) ein c.


Und jetzt? Üben wir das auch mal?

Aber immer doch. Hier bitte:





Takt 1
Töne: g, h,d
→ G-Dur
Basston: g (Grundton)
Lösung: G-Dur, Grundstellung


Takt 2
Töne: d, f, a
→ d-Moll
Basston: f (Terzton)
Lösung: d-Moll, Sextakkord

Takt 3
Töne: a, cis e
→ A-Dur
Basston: cis (Terzton)
Lösung: A-Dur, Sextakkord


Takt 4
Töne: c, es, g
→ c-Moll
Basston: g (Quintton)
Lösung: c-Moll, Quartsextakkord


Takt 5
Töne: h, d, fis
→ h-Moll
Basston: d (Terzton)
Lösung: h-Moll, Sextakkord


Takt 6
Töne: e, gis, h
→ e-Dur
Basston: e (Grundton)
Lösung: E-Dur, Grundstellung


Takt 6
Töne: a, c, e
→ a-Moll
Basston: a (Grundton)
Lösung: a-Moll, Grundstellung



Na, wenn es reicht, dass ich mir diese drei Basslagen merke, wozu dann der Generalbasskram und wozu das Abzählen?

Weil es nicht nur diese Akkordstellungen gibt, Du Schlaumeier.
Bislang haben wir uns auf Akkorde im Sinne von vollständigen Dreiklängen beschränkt. Aber auch Vier- oder Fünfklänge können verdrehht werden.
Möglicherweise wirft Dir mal jemand einen Vierklang vor die Füße, der so aussieht:
 
Und nun?
Das ist keine der bekannten 3 Stellungen, was daran liegt, dass es sich hier auch nicht um einen Drei-, sondern um einen Vierklang handelt.
Sammeln wir also erstmal die Töne ein. Wir haben hier: f, g, h, und d.
Um den Akkord zu erhalten, überlegen wir erstmal, wie wir diese Töne in Terzen schichten können.
Das meiste wurde uns hier ja bereits abgenommen, g, h und d liegen bereits in Terzen übereinander. Überlegen wir jetzt also, was wir mit dem komischen f machen sollen, um es in diese Terzschichtung zu packen.
Ein Vorschlag an dieser Stelle: Oktavieren. Ein f kann in unteschiedlichen Oktaven auftauchen.
Alle diese Töne sind fs:
Für unsere Akkordbestimmung mittels Terzschichtung eignet also sich das zweite, blau gezeichnete f, da wir das ganz einfach oben auf den Akkord setzen können. Schichten wir also das seltsam positionierte f von unten eine Oktave nach oben, erhalten wir dies:
Und damir erkennen wir sehr deutlich, um was für einen Akkord es sich handelt:

Töne: g, h, d, f
Grundton: g → G-Dur
Und weil ganz oben nach der Terz (h) und der Quinte (d) auch noch die Septime (f) draufgepackt wurde, handelt es sich um einen Septakkord.
Geschrieben wird das übrigens so: G7 oder auch G7. Das G schreiben wir wieder deshalb groß, weil es sich ja um einen Durakkord handelt.

Um nun die Stellung des ungeschichteten Akkordes zu bestimmen, müssen wir und wieder den Basston ansehen. In unserem Beispiel befindet sich das f im Bass. Der nächste darüberliegende Grundton ist das g, das ist also eine Sekunde vom f entfernt.
Die Stellung lautet daher: Sekundstellung.

Zählen zu können hilft also, auch unbekannte Stellungen erklären zu können. :D

Schon wieder Schnee... irgendwie ist es ja total archaisch, durch den Schneesturm zu laufen und sich auf eine warme Suppe zu freuen, und so durch das Fenster sieht das Zeug auch hochromantisch aus, aber er ist erstens ein deutliches Zeichen dafür, dass meine Wohlfühltemperatur um mindestens 20°C unterschritten wurde und sorgt 2. dafür, dass ich alle paar Schritte auf die Schnudd falle. Ich will Sommer!


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